REVUE - 150 Tage Indien 

Mittwoch, 27.08.2014

Vielleicht hätte ich mir ein bisschen mehr Vorfreude gewünscht. Irgendwie war der Abflug plötzlich da.  Im September 2013 hatte es mich einfach gepackt und nicht mehr losgelassen. Das Arbeitspensum in Amsterdam hatte längst meine Kapazitäten überschritten und langsam musste auch mir klar werden, dass es so nicht weitergehen kann. Nachdem die dritte Kollegin wegen Burn Outs im Krankenhaus gelandet war, konnte und wollte ich die Zeichen nicht mehr leugnen. Schlaflose Nächte, dauernde Magenschmerzen, Tinitus und immer mit den Nerven am Ende - ich wollte es nicht bis zum Krankenhaus kommen lassen.

Und da kam Indien. Am Anfang nur ein Tagtraum und ein Hirngespinst, doch schnell hatte sich die fixe Idee in einen Reiseplan verwandelt und der Point of no Return war überschritten.  Zum ersten Mal im Leben habe ich selber und ohne Rücksicht auf Verluste eine Entscheidung getroffen. Indien war meine Hoffnung, mein Zufluchtsort und das einzige, was mir die Kraft gegeben hat, bis April durchzuhalten.  Es fühlte sich derart richtig an, dass ich ohne mich mit meinem Freund, meiner Familie oder meinen Freunden abzustimmen und ohne zu wissen, welche beruflichen Konsequenzen es haben würde, dafür entschieden habe. Ich wollte leben! Meinen 30. Geburtstag erleben,wieder entspannen können und dem drohenden Burn Out von der Schippe springen.

Es war letztlich eine große Erleichterung, dass ich mit meinem Arbeitgeber eine Lösung finden konnte. Ich liebe meinen Job - aber noch mehr liebe ich mein Leben. Ich bin ein Perfektionist, liebe meinen Beruf, engagiere mich auch über die üblichen Maße hinaus, bin loyal und lasse mich wohl auch des öfteren ausnutzen - letztlich ging es auf Kosten meiner Gesundheit.

Die 5 Monate sollten mir helfen, meine Energiereserven wieder aufzufrischen, mich selber wieder zu finden, über die Zukunft nachzudenken und vor allem: um zu leben. Die Vorfreude war daher kurz. Mir war klar, dass ich die Auszeit nicht auf die lange Bank schieben kann und die verbindliche Zusage kam nur wenige Wochen vor dem Abflug.

Und da war sie wieder - Cora. Viele werden vielleicht fragen, wie man sich bei einem drohenden Burnout ausgerechnet Indien aussuchen kann. Nun, meine Liebe für dieses Land ist dem ein oder anderen sicher bekannt. Ich musste raus aus Amsterdam - brauchte einen Gegensatz und wollte mir einen Traum verwirklichen. Aber wer mich kennt, weiß auch, dass ich die Herausforderung liebe. Und Indien ist eine Herausforderung, eine Einladung zur Veränderung, Inspiration und ein Guru. Ich habe viel über mich selbst in Indien gelernt, habe inspirierende Gespräche geführt, habe unglaublich viel dazugelernt und mich ganz anderen Herausforderungen gestellt (z.B. den richtigen Bus zu finden, auch wenn alle Schilder in Hindi sind und alle Menschen, die man fragt, nur lustig mit dem Kopf nicken). Ich hab mit Menschen kommuniziert, deren Sprache ich nicht spreche, musste mich auf eine andere Lebensart und -geschwindigkeit einlassen, habe mich einer anderen Kultur angepasst (äußerlich und innerlich) und habe sicher viel an Selbstständigkeit, interkultureller Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit gelernt

Meine Reise hat mir die Gegensätze Indiens gezeigt: Der Bus fährt langsamer, die Menschen essen schneller, die tiefe Religiosität hat mich berührt und das vielsagende Kopfnicken hat mich in den Wahnsinn getrieben. Und dennoch bin ich über beide Ohren verliebt - in Indien

Indien ist ein Land für alle Sinne

SEHEN - die unglaubliche Farbenpracht der Kleidung. Die Diversität der Landschaft, Kultur und Religion und die Wahl der Fassadenfarben

RIECHEN - Masala, Curry, frische Blumen und Insant, Müll, Kuhmist und Abwässer

HÖREN - Bollywoodmusik im Bus, das ohrenbetäubende Hupen, das Gebäll der Hunde bei Nacht

FÜHLEN - das Gefühl angekommen zu sein, im Bus eingequetscht zu sein, steinharte Matratzen, sich pudelwohl fühlen

SCHMECKEN - Chilly, Vielzahl der Gewürze, von Dosa über Curry hin zu Tandoori, gesüßter Chai. Das Gefühl, wenn einem die Gosche brennt ;)

 

In 24 Stunden geht der Flug nach Amsterdam. Ja, ich bin nervös - eigentlich noch nervöser als vor dem Abflug. Ich weiß nicht, was mich nach fünf Monaten im Geschäft erwartet. Aber ich weiß, dass ich zumindest von meinem Bruder und Darryl erwartet werde (Danke, dass ihr euch Zeit nehmt!). Fünf Monate sind wie im Flug vergangen - es ist kaum zu glauben, dass ich morgen bereits zurück fliege.

Und was wird von Indien bleiben? Ich hoffe, die Ruhe, die ich hier gewonnen habe, bleibt bei mir. Ich habe wieder zu mir selbst gefunden, fühle mich voller Energie. Und wenn ich eins gelernt habe, dann dass es nichts Wertvolleres gibt, als unser Leben. Jede Sekunde kann nur einmal gelebt werden. In Zukunft will ich intensiv leben, Entscheidungen bewusst treffen und mich selbst nicht mehr verlieren. Ich liebe meinen Beruf - aber ich liebe auch mein Leben. Beides muss vereinbar sein - den Preis, denn ich in der Vergangenheit dafür bezahlt habe, war zu groß.

Wir sind jung, wir sind ambitioniert, wir wollen immer höher und weiter, mehr Gehalt, dickerer Firmenwagen, höheres Ansehen - doch der Preis dafür ist hoch.  Ich bin überzeugt, dass es auch anders gehen kann/muss

 

Vielen Dank an alle, die meine Reise mit mir persönlich oder in Gedanken geteilt haben. Besonderen Dank an meine Eltern, Janine und Darryl, die einen Teil meines Lebenstraums mit mir geteilt haben.

Und jetzt werde ich den Wellen lauschen, mich ein letztes Mal von den Moskitos verstechen lassen, den grauenhaften Cocktail schlürfen (der angeblich ein Mojito ist), mich nachher auf der steinharten Matraze unter dem löchtigen Moskitonetz ausstrecke und morgen im klapprigen Bus zum Flughafen fahren. Ein letztes Mal Indien in vollen Zügen in mich aufnehmen.

TAMIL NADU

Mittwoch, 27.08.2014

Der letzte Teil der Reise ist angebrochen. Der letzte Bundesstaat, den ich bereisen werde. Noch 3 Wochen bis zum Rückflug (28-8-2014)

Ich habe mich sehr gefreut, dass es doch noch geklappt hat, Darryl in Indien zu treffen (Danke DHL Utrecht! Einen Vorgesetzten mit soviel Sozialkompetenz wünscht sich wohl jeder).

Darryl hatte gleich einen anspruchsvollen Einstand fürs Backpacken - die erste Nacht haben wir gleich mal am Flughafen verbracht, ehe es mit dem Bus in gut 10 Stunden nach Ooty ging. Man möchte es kaum glauben, nach den troptisch warmen Temperaturen der vergangenen Wochen - wir haben beide gefroren!  Ooty ist eine so genannte Hill Station, wo die Inder in den Sommermonaten hin fliehen, um der brüllenden Hitze zu entkommen. Ich habe erstmal wieder die lange Unterwäsche ausgepackt (ja, ohne Witz!!!) und ohne Schrim konnten wir uns ohnehin nicht aus dem YWCA wagen. Wir haben 3 Tage in Ooty verbracht mit Wanderungen durch Teeplantagen, einer Safari-Tour a la India und leckerem Tandoori Essen. Einen Vorteil haben die niedrigen Temperaturne dort: es gibt Schokolade!!

Teeplantagen rund um Ooty

Eine weitere anstrengende Busfahrt (und diesmal war es kein Delux Bus, sondern eine durchschnittliche indische Rostlaube) hat uns dann wieder ins Tiefland gebracht, nach Madurai. Von nun an kamen wir auch nicht mehr aus dem Schwitzen! In Madurai, Trichy und Tanjore haben wir die großen Tempel besucht, ehe wir die gemeinsamen zwei Wochen haben gemütlich an der Küste ausklingen lassen.

bunter Tempel in Madurai Shiva Tempel in Tanjore

In der ehemaligen französischen Kolonie Pondicherry haben wir zwei Tage lang Croissants, Quiche und Filterkaffee genossen und den Blick direkt aufs Meer vom Balkon unseres Ashram-Hotels.

Ausblick vom Hotel - Park Geust House Pondicherry Sonnenaufgang praktisch vom Bett aus betrachtet, Pondicherry

Allerdings war uns Pondicherry zu westlich und ungemütlich und die Übersiedlung nach Mamallapuram (50km südlich von Chennai) war die beste Idee! Bunte Fischerboote, kleine Hotels, Palmen, Strand, zahllose Restaurants und Cocktails für 2 Euro. Hier also habe ich meine fünf monatige Reise ausklingen lassen. Was ich eine Woche in Mamallapuram gemacht habe? Nichts! Ja, ganz und gar untypisch für mich habe ich nichts gemacht. Ich habe das gute Essen genossen, Cocktails geschlürft, bin durch die Souvenirläden gebummelt und habe Gewürze gekauft und gelesen. Very unlike Cora - aber Menschen können sich auch ändern. So, ich muss los zur Manicure. In 24 Stunden bin ich schon auf dem Weg zum Flughafen...

 

Mamallapuram Beach View lecker Frühstück direkt am Strand Tempel in Mamallapuram Cora beim

Orcha, Khajuraho & Varanasi

Mittwoch, 27.08.2014

Eine Woche alleine blieb mir in Zentralindien. Leider war diese vor allem von Magen-Darm-Problemen geprägt. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, einige Besichtigungen durchzuführen.

Mit dem Zug ging es von Agra nach Orcha. Dafür, dass es ein Super Express Train war, war dieser ganz schön langsam und schien mehr auf der Strecke zu stehen, denn zu fahren. Trotzdem lohnt sich der Abstecher nach Orcha auf alle Fälle! Ich wusste selber nicht wirklich, was mich erwartet und umso erfreuter war ich, ein kleines Dorf mit Palast und Tempeln zu entdecken. Die Unterkunft war eher unterirdisch, das Essen wohl der Auslöser meiner Magenprobleme aber der Palast ist wirklich sehenswert.

Palast in Orcha 

Weiter ging es mit dem Zug nach Khajuraho. Auch dieser Zug konnte seinem Namen als Express Train nicht wirklich Ehre machen und war glatte 3 Stunden verspätet. (Diese negativen Zug-Erfahrungen waren wohl nötig, um die Deutsche Bahn wieder in ein bisschen besseres Licht zu stellen. Hey DB: In Indien sind die Züge genauso verspätet wie daheim. Schön, dass man in diesem Punkt auch im Ausland nichts vermissen muss ;)) Kharjuraho ist klein, aber intensiv. Nicht nur die vielen Tempel, sondern vor allem die Aufdringlichkeit der Souvenirhändler ist einfach zu viel. Meine Tempelbesichtigung fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser - aber trotzdem habe ich mich aufgerafft, die für ihre erotischen Steinmetzarbeiten bekannten Tempel zu besichtigen. 

  Tempel der Nordgruppe - Khajuraho Kamasutra Carvings - Khajuraho 

Mit dem Nachtzug ging es dann nach Varanasi - zu den berühmten Ghats am Ganges. Ja, der Ganges ist dreckig! Vor allem in der Regenzeit, wo er gut 4m über normal Null steht. Es ist eine echte Dreckbrühe mit Hausmüll, Industrieabfällen, Abwässern, Leichen und wer weiß was noch. Eine Bootstour konnte ich nicht unternehmen - einen tag zuvor war ein Boot gekentert auf Grund der starken Strömung (Nach meiner U-Boot Erfahrung aus Srinager brauche ich sicher nicht noch ein Bad im Ganges!). Varanasi ist voll von Sadus, Pilgern, Trauernden und Touristen. Der Besuch der Verbrennungs-Ghats hat mich schon sehr mitgenommen - vor allem die glühende Hitze der Feuer und der beißende Rauch.

Abendzeremonie an den Ghats - Varanasi heiliger Mann - Varanasi

RAJASTHAN & Taj Mahal

Montag, 04.08.2014

Willkommen im Land der Maharajas, Mogule und Paläste.

Zwei Wochen waren Janine und ich mit unserem Fahrer, Vishnu, in Rajasthan unterwegs. Anders hätten wir das voll gepackte Programm auch garnicht absolvieren können.

Unsere Tour begann in Delhi und führte uns dann gegen den Uhrzeigersinn durch den Bundesstaat Rajasthan. Die laute Hauptstadt haben wir gen Westen verlassen und sind zunächst in die eher untouristischen Gebiete von Mandawar und Bikaner gereist. Diese sind besonders bekannt für ihre herrschaftlichen Häuser, die Hawelis, die mit bunten Malereien verziert sind.

Haweli in Fathepur India Gate in Delhi

Die Temperaturen wurden immer heißer, mit Jaisalmeer erreichten wir den trockensten und heißesten Punkt unserer Tour. Das Wüstenfort bekommt oft jahrelang keinen Regen zu Gesicht. Die Kamelexkursuion in der Wüste Thar war sehr interessant - aber ein Tag hat uns beiden gereicht (wir sind wohl beide nicht die geborenen Reiter).

Jaisalmeer Fort

Ab Pokaran holte uns dann der Monsun ein und mehr als einmal haben wir unsere Schuhe unter Wasser gesetzt. Aber eigentlich müssen wir glücklich sein, denn ich hatte bedeutend mehr Regen erwartet. Die schwüle Hitze in Jaisalmeer und Agra hat uns da glaube ich schon mehr zu schaffen gemacht.

Die nun folgenden Städte sind sicher mehr bekannt: Udaipur, die blaue Stadt. Jaipur, die pinke Stadt mit dem Palast der Winde. Agra, mit dem Taj Mahal. In Jaipur waren wir in einem Bollywood Action-Film - ein Erlebnis für sich! Auch beim zweiten Besuch des Taj Mahals war ich wieder überwältigt von diesem Grabmal - aus Liebe errichtet. Der krönende Abschluss einer tollen Tour!

Taj Lake Palace Hotel in Udaipur Palast der Winde in Jaipur Der Bollywood Film Taj Mahal in Agra

Danke Janine, für das offene Ohr, die Schulter zum Anlehnen und deine Geduld mit meiner schlechten oder depressiven Laune. Eine bessere Freundin kann man sich nicht wünschen. Ich habe mich riesig gefreut, dass du von dir aus einen Teil meiner Traum-Reise mit mir teilen wolltest. Das bedeutet mir sehr viel. PS: ich bekomm den Ohrwurm von dem Kino-Film garnicht mehr los... ;)

PUNJAB - Amritsar

Montag, 04.08.2014

Der Goldene Tempel von Amritsar - vom Besuch dieses Heiligtums der Sikh-Religion habe ich schon lange geträumt.

Das Allerheiligste dieser riesigen Tempelanlage ist mit Gold verziert. In seinem Inneren wird das heilige Buch aufbewahrt, dass ohne Unterbrechung 24/7 unter musikalischer Begleitung rezesiert wird. Tausende Pilger strömen hier jeden Tag her, um sich im heiligen Wasser des Sees zu reinigen und das Allerheiligste zu besuchen. Vielleicht ist es aber auch die Speisung der 10.000 oder die kostenlose Übernachtung in den Pilger-Unterkünften...

Auch ich habe im Dorm der Pilger-Unterkunft übernachtet und das kostenlose Essen genossen. Die Zubereitung der täglich 300.000 Speisen erfolgt lediglich durch Freiwillige. Einige schnippeln Gemüse, andere backen Chapatis und wieder andere erledigen den Abwasch. Absolut überwältigend dieser Dienst an der Gemeinschaft!

Essens Zubereitung

KASHMIR

Mittwoch, 30.07.2014

Srinagar

Mit dem Bus ging es in 15 Stunden über zahllose Kurven nach Srinagar in Kashmir. Glücklicherweise habe ich gleich im Bus eine nette Belgierin kennen gelernt, mit der ich meine Tage in Srinagar gemeinsam verbracht habe. Der Menschenschlag hier hat mir allerdings überhaupt nicht gefallen: man hat noch nichtmal den Fuß aus dem Bus gesetzt, schon wird man von geschäftigen Kashmiris umringt und muss sich frei kämpfen. Hausboot, Hotel, Bootstour, Kashmir Schal oder Pappmaschee. Man wird die KErle nicht los und sie sind so aufdringlich wie nirgends in Indien.

Eigentlich hat Kashmir viel zu bieten: Moghul Gärten, den Dal See und die tolle Berglandschaft. Letztere wäre sicher schön, die Aussicht allerdings, eine Wanderung mit diesen aufdringlichen und betrügerischen Kashmiris zu machen, hat mich abgeschreckt. Auch wenn ich Srinagar nicht so schön fand, so habe ich sicher mein prägenstes Erlebnis dort gemacht. Jeder geht nach Srinagar um auf einem Hausboot im Dal See zu übernachten. Sicherlich können aber nur wenige berichten, dass sie mit dem Hausboot abgesoffen sind...

 

LADAKH

Mittwoch, 30.07.2014

LEH

Es war wie nach Hause kommen in Leh (wir waren dort schon mal vor acht Jahren). Nachdem wir etliche Kilo auf der Trekking Tour gelassen haben, konnten wir nun so richtig schlemmen. Und das kann man nirgendwo besser als in Leh! German Bakeries an jeder Ecke, die einen mit Apple Pie, Mango Crumble, Bismark Torte und Käsekuchen verwöhnen. Letzterer war so gut, dass ich beinahe süchtig davon geworden bin! Aber außer Schlemmen haben wir auch die Kalachakra und das Hemis Festival besucht - und natürlich Fußball geschaut.

 

Kalachakra

Das höchste buddhistische Ritual, dass aus tagelangen Gebeten, Teachings und der spirituellen Weiterbildung auf eine höhere Ebene besteht. Auf einem mehrere Fußballfelder großen Platz zu Fuße der schneebedeckten Berge wurde dieses Großereignis abgehalten. Kaum zu glauben, aus welcher Herren Länder Gläubige und Touristen hierfür angereist sind. Das stundenlange auf dem Bodensitzen ging mir schnell in den Rücken (ja, man merkt, man geht auf die 30 zu) und ich habe die Joga- und Meditationspraktiker überaus beneidet.

Der Höhepunkt für uns war der Geburtstag Seiner Heiligkeit, des 14. Dalai Lama, am 6-7-2014. Die Einheimischen habe sich in ihre schönste Tracht geworfen und politische und religiöse Vertreter haben ihre Glückwünsche ausgesprochen. Als der Ehrengast und Redner für die ausländischen Gläubigen auf die Bühne gebeten wurde, brach in der Foreigner Area Jubel aus: Richard Gere (Hollywoodstar aus z.B. Pretty Woman)!!!

Die stundenlangen Gebete, die Seine Heiligkeit auch im Alter von 79 Jahren immer noch leitet, haben mir viel Zeit zum Nachdenken gegeben.

 

Hemis Festival

Da die Klosterfeste dem Mondkalender folgen, fand das Hemis Festival zeitgleich mit den Teachings der Kalachakra statt. Die Maskentänze waren aber trotzdem gut besucht. In den traditionellen Kostümen und Masken wird der Sieg über die Dämonen dargestellt.

  

Nach 10 gemeinsamen Wochen trennten sich dann die Wege meiner Mutter und mir. Wir hatten sechs tolle Wochen zu zweit in Zanskar und Ladakh. Mama, du bist einfach der beste Reisepartner der Welt!

ZANSKAR-TREK

Dienstag, 15.07.2014

 In 23 Tagen zu Fuß von Manali nach Leh (für alle ortskundigen: von Darcha nach Kanji).

 

Seit 8 Jahren haben wir damit geliebäugelt - nun haben wir zwei Damen es in die Tat umgesetzt. Und das vorab: ich bin unglaublich stolz auf meine Mama! 10 Pässe, wochenlang keine Dusche, 21 Nächte im Zelt und mehrfach gesundheitliche Rückschläge... Mit dir oder keiner!

Per Flugzeug ging es einmal quer über das Land von Vishakapatnam nach Kullu, am Rande des Himalaya. Unser Trek wurde begleitet von einem Koch/Guide, 3 bockigen Packpferden und einem Pferdemann. Mit dem Auto ging es um 2 Uhr Nachts in Richtung Rothang Pass - wie früh in der Trekking Saison wir sind haben wir spätestens bei dem meterhohen Schnee auf der Passstraße bemerkt. Doch wir hatten Glück und konnten trotz Steinschlag passieren und unbehelligt unsere Tour am 10-6-2014 beginnen.

Leider wird die Landschaft im Zuge des Straßenbaus an manchen Stellen stark entstellt, doch die Tage, an denen wir der Piste nicht ausweichen konnten, hielten sich in Grenzen.

Bereits am ersten Tag ging es über kleinere Schneefelder und die größte Herausforderung auf dem ersten Teilstück nach Padum wartete bereits am 2.Tag: die Überquerung des über 5000m hohen Shingu La Pass. Da riesige Schneeberge noch auf dem Pass lagen, mussten wir bereits um 3 Uhr nachts im Schein der Taschenlampe den Aufstieg beginnen. Im Blindflug ging es stundenlang bei gut -12 Grad über Schnee- und Eisfelder. Wir waren uns beide einig - so gefroren haben wir im Leben noch nicht (ich hatte zwischenzeitlich wirklich Angst, ein paar Finger oder Zehen einzubüßen)

Nach dieser spektakulären Überquerung ging es dann weiter durch ein enges Flusstal in Richtung Padum. Immer wieder haben uns die saftig grünen Felder und die weißen Häuser der Ansiedlungen in der sonst vorherrschenden, ariden Berglandschaft erfreut.

Die Kleinstadt Padum dient als Umschlagplatz für Trekking Touren und wir haben dort unsere Vorräte auffrischen können, für die noch 12 bevorstehenden Trekking Tage. Nach einigen Auseinandersetzungen mit unserem Koch bezüglich der Lebensmittelplanung konnten wir dann weiterziehen.

Für zwei Tage ging es zunächst durch das ebene Zanskartal (eine öde und staubige Lauferei, wobei man das Ziel vor Augen hat und doch nicht von der Stelle zu kommen scheint). Der nächste Pass wurde für uns beide zum Horrortag der Wanderung, nachdem Mama mich mit einem Magen-Darm-Virus auf halber Strecke zurück lassen musste. Aber wir haben es geschafft schlussendlich.

Jetzt warteten beinahe täglich gleich mehrere Passüberquerungen auf uns, wobei wir uns mit dem Magen-Darm-Infekt abgewechselt haben. Der wohl schönste Teil der Strekke Padum - Kanji folgte hinter dem Sirsir La Pass, wo wir von der Hauptroute nach Lamayuru abgewichen sind. Eine Landschaft gleich dem Monument Valley in den USA eröffnete sich uns und nach tagelangem Graupel und Schnee beglückte uns die Sonne wieder und wir konnten von den bis zu 5100m hohen Pässen fantastische Ausblicke genießen.

Fazit der Wanderung: Landschaftlich ein Hochgenuss! Ich möchte diese Wanderung auf keinen Fall missen und ich bin sehr dankbar, dass meine Mama auf den Zug aufgesprungen ist. Die Agentur und die Ausführung der Trekking Tour haben uns immer wieder zu Kopfschütteln und teilweise sogar heftigen Wutausbrüchen veranlasst, doch wäre sie ohne die Ungereimtheiten eben kaum typisch indisch gewesen. Ich denke, wenn ich etwas gelernt habe, dann die Komik zu suchen, statt meinem Zorn freien Lauf zu lassen.

ORISSA

Samstag, 12.07.2014

Wir konnten nicht direkt von Kolkatta nach Zanskar fliegen, denn Anfang Juni sind die Pässe noch nicht offen. Daher mussten wir für eine gute Woche zwischenschieben. Dank der Empfehlung einer Freundin ist die Wahl auf Orissa gefallen.

In Bhubaneshwar sind wir herzlich von unserer Reiseagentur Heritage Tours empfangen worden. Diese Agentur hat alle unsere ERwartungen übertroffen, sollte jemand gerne ebenfalls nach Orissa wollen - DIESE Agentur und keine andere! Wir hatten einen super Guide, aufmerksame Fahrer, Hotel mit Pool und unfassbar tolle Erlebnisse!

Was ist Orissa? Der Bundesstaat ist bekannt für den Kornak Sonnentempel sowie --die teilweise noch sehr ursprünglichen Stämme im Süden. Unsere Tour begann in Bhubaneshwar und Puri, wo wir vor allem die Tempel besucht haben, darunter den berühmten Sonnentempel in Kornak.

Danach ging es mit dem Nachtzug in die Stammesgebiete. Wir waren die einzigen Touristen auf den Märkten und unsere Organisation hat es uns ermöglicht, sogar in einige Dörfer zu gehen (Photographie auf den Märkten ist strengstens verboten, da viele Stämme kaum Kleidung tragen.). Die tollen Nasenringe der Frauen waren beeindruckend.

Die Tour war einfach umwerfend und wir hätten gerne noch mehr Zeit bei den Stämmen verbracht. Wir kommen sicher wieder, wenn es wieder erlaubt ist Fotos zu machen und vielleicht noch tiefer in die Stammesgebiete blicken zu können.

Den krönenden Abschluss dieser Tour hat die Nacht im Luxushotel The Park gebildet: Vom Pool aus Live-Musik genießen (und Ültjes Erdnüsse und Whiskey aus der Siggflasche trinken, weil die Restaurantpreise astronomisch waren!!!)

 

 

Kolkata und die Sundarbans

Donnerstag, 29.05.2014

KOLKATA

Nein, Calcutta liegt nicht am Ganges!!!

Das ist der erste Irrtum, den es aufzuklaeren gilt beim Besuch dieser Metropole. Es ist schwuel warm, der erste Tag ist komplett verregnet und das Hupkonzert wird zur Nervenprobe. wir halten das Besichtigunsprogramm auf einem Minimum: Howrah Bridge, Victoria Memorial und Mother Teresa House. Das muss reichen.

Die Gegensaetze hier sind grotesk. Schiki-Miki Cafes und direkt daneben wohnen Menschen auf der Strasse und ein SChuhputzer mueht sich ab, ein paar Muenzen zu verdienen. Ja, das ist Indien. Wir haben das gewusst: soziale Ungerechtigkeit, Obdachlose, bettelnde Kindern, Menschen die sich fuer ein paar Rupies krumm buckeln. Auf der anderen Seite Nobelkarossen, Modelabel und KFC. Aber wer nach Indien geht muss sich dieser Gegensaetze bewusst sein. Das gehoert eben dazu, wie das staendige Gehupe und Geschrei.

Ich muss ehrlich sagen, ich bin kein Stadtmensch und recht froh, dass wir morgen weiter ziehen. Wir haben den Abend gerade mit einem Cocktail auf der Dachterasse des Blue & Beyon ausklingen lassen. Es ist unser letzter Abend zu Dritt.

Morgen fliegt Manfred zurueck nach Deutschland, waehrend Christa und ich nach Orissa weiterfliegen um noch weitere 6 Wochen gemeinsam zu reisen.

Es war ein toller Familienurlaub (leider ohne meinen Bruder). Und ganz besonders stolz bin ich auf meinen Vater, dass er alles so gut mitgehalten hat. Ich bin sehr dankbar fuer die Chance, einen Teil meiner Reise durch Indien (die Suche nach mir selbst, dem Sinn im Leben und dem Ausbrechen aus der Routine) mit meienn Eltern teilen zu duerfen. S war oifach spitze met eich!

 

SUNDARBANS

Kein bengalischer Tiger weit und breit. :( Jemand scheint den Koenig der Sundarbans nicht von unseem Kommen in Kenntnis gesetzt zu haben.

Dafuer konnten wir wilde Rehe und einige Voegel sehen. Der Wettergott schien mit dem Tiger im Urlaub zu sein, denn  statt angekuendigter Hitze und Schwuele haben wir uns mehrfach eine warme Jacke gewuenscht und sind seuchnass geregnet worden. Das koennen bestimmt nicht viele behaupten, dass sie zur heissesten Zeit in den Sundarbans gefroren haben...

Der Ausflug in die Mangrovensuempfe hat sich aber trotzdem gelohnt.

 

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